Ich habe mir heute mal Gedanken zum Thema Integration gemacht. Dabei habe ich mir zwei Fragen gestellt.
1. Was
muss geschehen, dass es Menschen mit Behinderung einfacher machen
würde zu lernen, sich weiterzubilden, sich zu bewegen?
2. Wo
bestehen für mich Hürden und wie könnten diese beseitigt werden?
Das sind meine Erfahrungen. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir eure Erlebnisse schildert. Wo habt ihr Probleme und wie könnten Sie eurer Meinung nach gelöst werden?
Schreibt es mir bitte einfach in die Kommentare :)
M.
Schreibt es mir bitte einfach in die Kommentare :)
M.
Die
Deutsche Bahn
Wenn
ich als Rollifahrerin mit der Bahn fahren möchte muss ich die Reise
einen Tag vorher anmelden. Falls ein Lift für den Rollstuhlfahrer
benötigt wird, muss auf der Seite der Bahn ein extra Formular dazu
ausgefüllt werden, dass sich „Anmeldung einer Hilfeleistung“
schimpft. Das für mich Schlimmste ist aber, dass man einfach in
einem Abteil abgestellt wird, in dem sich die stinkende Toilette
befindet und Fahrräder.
Man
könnte die Türen in den Zügen zu den einzelnen Abteilen einfach
ein bisschen breiter machen. Es muss ja nicht überall sein. Ein
schönes Abteil mit einer sauberen Toilette nur für Behinderte würde
schon reichen.
Das
ein extra Formular ausgefüllt werden muss finde ich überflüssig.
Warum kann nicht einfach an jedem Bahnhof so ein Lift zur Verfügung
stehen? Das wäre eine sehr sinnvolle Investition, weil dann bestimmt
wieder viel mehr Behinderte den Zug nehmen würden.
Außerdem
dauert es nur wenige Minuten, wenn überhaupt, dem Behinderte in den oder
aus dem Zug zu helfen.
Bahnhöfe
und U-Bahnhöfe ohne Fahrstuhl sind auch blöd. Hab mal erlebt, dass
ich in Berlin an irgendeinem U-Bahnhof ausgestiegen bin und es dort
nur Treppen gab. Es gab aber auch einen Automaten auf dem sich ein
Knopf befand, auf dem ein Rollstuhl abgebildet war. Ich hab dann
einfach mal drauf gedrückt und es hat sich eine Frau gemeldet. Ich
hab ihr dann mein Problem erklärt aber keine hilfreiche Lösung
angeboten bekommen. Meine Mutter musste mich dann die ganzen Stufen
hochziehen.
Meine
Idee wäre eine App oder einen Plan zu erstellen wo jeder Bahnhof,
der barrierefrei ist, vermerkt ist. Kann sein, dass es sowas auch
schon gibt. Eine App wäre toll, denn die könnte sich ständig
aktualisieren und wäre auch für Blinde gut geeignet, wenn es eine
Vorlesefunktion geben würde.
Schule
und Ausbildung
Es
ist gut, dass es Schulen für Behinderte gibt, in denen sie
individuell gefördert werden. Ich frage mich aber warum dort auch
Menschen sind, die „nur“ einen Querschnitt haben oder eine andere
körperliche Behinderung. Es wäre viel besser sie in eine Klasse zu
integrieren, in der gesunde von kranken lernen können und umgekehrt.
Ich habe selber die Erfahrung gemacht. Meine Klassenlehrerin wollte
nicht das ich nach meinem Krankenhausaufenthalt wieder an die normale
Schule zurück komme. Der Schulleiter hat dann mit meinen Mitschülern
darüber gesprochen und sie gefragt, ob sie mich unterstützen
würden. Alle waren sofort dazu bereit. Man muss einfach mal mit
Menschen reden und keine Angst haben. Außerdem werden da soziale
Kompetenzen gefördert, die auch für später wichtig sind.
Vorurteile werden abgebaut und der Umgang mit Behinderten fällt
leichter.
Als
Behinderter eine Ausbildung zu finden ist sehr schwer. Die
Bundesregierung hat etwas erfunden, dass sich
Schwerbehinderten-Abgabe nennt. Das bedeutet, dass Unternehmen, die
keine Behinderten einstellen wollen oder können, eine Strafe an das
Integrationsamt zahlen müssen. Ich würde es besser finden, dass
große Unternehmen einfach gar nicht drum herum kommen einen
Rollifahrer zu beschäftigen. Viele Unternehmer wissen nicht was auf
sie zukommt und haben deswegen Hemmungen. Um dem entgegen zu wirken,
wäre ne Schulung oder ein Projekt ganz gut, bei dem Mitarbeiter mal
testen können, wie es ist im Rollstuhl zu sitzen. Dabei kommt man
ins Gespräch und Barrieren werden abgebaut.
Ich
würde mir auch wünschen, dass unsere Unis im Land genauer über
ihre Barrierefreiheit aufklären. Die Uni Rostock z. B. nennt sich
barrierefrei und ist es gar nicht. Als ich dort studiert habe, habe
ich es nie von einer Vorlesung zur anderen geschafft, weil die Wege
zu lang waren und die Straßenbahn viel zu viel Zeit benötigte.
Weiterhin war es mir oft gar nicht möglich zu Vorlesungen zu
kommen, weil es in ein paar Fakultäten keinen Fahrstuhl gab. Ich
wurde einfach da hin geschickt und sollte mich von den Studenten
hochtragen lassen. Das Schärfste war aber, dass es dort eine
Behindertenbeauftragte gab, an die man sich bei Fragen usw. melden
konnte. Die war aber kurz vor meinem Antritt des Studiums im Urlaub.
Als ich dann nachgefragt habe, warum es gerade zur Bewerbungszeit
keine Vertretung für gab, wurde mir gesagt, dass es eine
ehrenamtliche Stelle sei und das kein anderer freiwillig machen
wollte. Auch die netten Frauen (selber körperlich behinderte
Studentinnen an dieser Uni), die mir versichert hatten, dass ich mich
um nichts kümmern muss und sie alle Formalitäten für mich
erledigen würden, haben nichts auf die Reihe bekommen
Nach
allem Hin-und her und vielen Gesprächen, die ich gesucht habe und
nicht die Uni, wurde mir ans Herz gelegt doch bitte mein Studium zu
beenden. Ich wollte zwar noch mein Studienfach ändern aber der
zuständige Mensch dort hat gesagt, ich soll etwas machen das mir
Spaß macht und ließ sich auf keine weitere Diskussion ein.
Die
nachträgliche Entschuldigung vom Dekan persönlich war nett aber
gebracht hat sich nichts.
Ein
positives Beispiel möchte ich nicht unter den Tisch fallen lassen.
Ich habe mich auch bei der Uni Greifswald beworben und leider eine
Absage bekommen. In dieser wurde mir mitgeteilt, dass die Uni mir
keine vollkommene Barrierefreiheit bieten kann und sie mich deswegen
leider nicht nehmen können. Das ist wenigstens ehrlich und es
bleiben einem viele Probleme erspart.
Probleme
beim Shoppen
Es
gibt fast nirgendwo Kabinen, die groß genug sind, um mit dem
Rollstuhl hineinzufahren und sich dann auch noch umzuziehen. H&M
ist hier eine große Ausnahme. Es gibt eine schöne große Kabine, in
die sogar noch eine Begleitperson und ein Stuhl hinein passt. In den
meisten anderen Läden bekommt man entweder die Tür oder den Vorhang
nicht zu oder man darf sich im Lager des jeweiligen Geschäftes
umziehen, wenn man nette Verkäufer/innen hat.
Man
könnte in den Kaufhäusern einfach aus 2 Kabinen eine machen. Kostet
fast nichts, hat aber einen großen Einfluss auf die Kaufkraft.
Restaurants
Die
Tische in vielen Restaurants sind so blöd gebaut, das man mit seinen
Füßen nicht drunter kommt, weil die Tischbeine im Weg sind. Ich
muss mir dann den Teller entweder auf ein Tablett stellen oder
seitlich zum Tisch stehen.
Bewilligung
von Hilfsmitteln
Wenn
ich ein Hilfsmittel benötige, zum Beispiel ein neues Sitzkissen oder
einen neuen Rollstuhl, dann muss eine Verordnung geschrieben und an
die Krankenkasse geschickt werden. Die entscheidet dann, ob man es
bekommt oder nicht. Ich habe schon mehrmals versucht ein Handbike zu
bekommen, um fit zu bleiben und meinen Kreislauf und die
Atemmuskulatur zu trainieren. Jedes mal wurde es abgelehnt. Bei
telefonischer Nachfrage nach dem Grund der Ablehnung wurde mir
gesagt, dass Handbikefahren nicht zu den Bedürfnissen eines
Behinderten gehört. Welche Bedürfnisse darf ich denn haben? Zum
Glück braucht man fürs Atmen keine Bewilligung.
Ich
finde es schlimm, dass Menschen über Sachen entscheiden, die sie
nicht nachvollziehen können. Woher will ein gesunder Mensch wissen,
was ein kranker Mensch fühlt und benötigt um sich besser zu fühlen.
Die sollten eigentlich froh sein, dass man sich fit halten möchte,
damit man nicht so oft krank ist.
Sich
ein Handbike zu kaufen ist purer Luxus, da die Preise echt hoch sind.
Für chronisch Kranke sollte sich das endlich ändern. Es gibt für
Nichtbehinderte die Möglichkeit ein Fahrrad auszuleihen. Warum nicht
auch für uns? Ich bin sicher, dass es sehr gut angenommen werden
würde. Ich wäre auf jeden Fall so oft es geht unterwegs.
Viele
Bürgersteige sind kaputt und es gibt Wege die mit kleinen
Pflastersteinen gepflastert wurden, an denen man immer mit den
Vorderrädern hängen bleibt. Ich bin schon öfter kurz vorm
Rausfallen gewesen. Die Bordsteinkanten sind oft viel zu hoch oder
nicht abgeschrägt, sodass man mit dem Rolli nicht hoch kommt. Auch
wenn es um Behindertenparkplätze geht, muss sich was ändern. Viele
Autos parken ohne eine entsprechende Parkkarte und das oft ohne
Konsequenzen. Ich muss dann auf einem normalen Parkplatz parken, der
viel zu klein ist und auf dem man regelmäßig zugeparkt wird. Wenn
man einen Fußgänger dabei hat, der einem das Auto dann ausparkt
geht’s ja noch. Ist man aber alleine unterwegs, kann man nicht mehr
einsteigen.
Zur
Situation des Rollifahrers allgemein
Ich
sehe mich nicht als behindert. Es ist die Gesellschaft die mich daran
hindert ein normales Leben zu führen. Anstatt uns gegenseitig
auszuschließen, sollten wir mehr miteinander ins Gespräch kommen.
Viele Menschen starren mich an, als ob ich von einem anderen Stern
komme. Viele Kinder fragen mich einfach was mit mir los ist. Erst vor
Kurzem hatte ich eine lustige Situation mit einem kleinen Jungen, so
um die 4-5 Jahre alt und seinen Eltern. Er lief neben mir her und hat
mich einfach gefragt ob ich krank bin. Ob ich beim Spielen
hingefallen bin und es weh tut. Seinen Eltern war das total
unangenehm und sie haben dauernd versucht ihn abzulenken, weil sie
dachten das ich damit ein Problem habe. Ganz im Gegenteil. Erwachsene
sollten sich ein Beispiel an Kindern nehmen und Behinderte einfach so
normal wie möglich behandeln.
Ich
bin sehr dankbar, dass ich meine Ausbildung in einem
Berufsbildungswerk machen konnte. Der Vorteil dabei war, dass sich
alle auf mich eingestellt haben und ich individuell gefördert wurde.
Der Nachteil ist heute, dass der Aufenthalt dort mit der Realität
überhaupt nichts zu tun hat. Ich würde mir wünschen, dass
Unternehmen mehr mit solchen Bildungswerken zusammenarbeiten und
Patenschaften übernehmen. Das kostet das Unternehmen nichts, weil
die Agentur für Arbeit für die Kosten eines Praktikums aufkommt und
würde das Leben mit einer Behinderung sehr viel leichter machen.
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